Sommer! Sonne! Weltmeisterschaft?

Bei uns war nun lange Ruhe auf dem Blog, obwohl es ein paar Themen gab über die wir gerne geschrieben hätten (Kein Mensch ist illegal – Aktion vom DFB, etc.). Doch wir finden dass viele andere Blog-Kollegen die Themen bereits sehr gut aufbereitet haben.

Ein Thema beschäftigt uns dennoch. Wir alle lieben den Sommer, die Sommerpause dagegen nicht. Eigentlich sollten wir als Fußballfans uns auf die Weltmeisterschaft freuen. Doch überschlagen sich die Meldungen in den Medien mit Vorfällen, die unser Fußballherz bluten lassen. In Brasilien werden nahezu alle Menschenrechte mit Füßen getreten. Familien werden vertrieben und vor allem Straßenkinder verschwinden (scheinbar) praktisch von der Erdoberfläche damit Stadien und Parkplätze gebaut werden, die nach der WM keine Sau mehr braucht (siehe Dokumentarfilm „The Price of the World Cup“).

Wir freuen uns sehr, dass wir unseren Freund Kai als Gastblogger gewinnen konnten, um dieses Thema mal auf den Punkt zu bringen. Er beschäftigt sich seit einiger Zeit mit dem Thema WM, FIFA usw. und ist obendrein so lange und tief in der FC St. Pauli Fanszene vernetzt, wie kein zweiter.

An dieser Stelle sei gesagt: Dazke Kai, fürs „Augen öffnen“.

needfoodnofifa
Need Food, no FIFA
Picture by Paulo Ito -> Flickr

YES WE CAN!
( Não vai ter Copa do Mundo no Brasil?)


Moinsen,

ich hatte ja schon in der Vergangenheit immer mal was über die Schweizer Schmierenveranstaltung ( Komödie kann man das ja wohl nicht mehr nennen ) FIFA geschrieben. So habe ich der Bitte mal den Versuch einer Zusammenfassung mit Handlungsoptionen in Blogform zu schreiben umso lieber entsprochen, als es mich ebenfalls zu einer detaillierten Fernanalyse gezwungen hat.

Es ist etwas länger geworden, aber ich denke das Thema ist zu wichtig, da sich eine ganze Menge Leute zwischenzeitlich fragen, wie sie damit umgehen sollen. Und Ihr sollt es bitte teilen und dafür ist das Gesamtbild sehr wichtig, auch wenn Ihr das eine oder andere schon wisst. Denn zwischenzeitlich explodieren die „halbwegs seriösen Medien“ ja vor kritischen Berichten, nur „Blöd“ und andere Blätter versuchen das Land in den mittlerweile lächerlichen „Schwarz Rot Geil – Modus“ zu versetzen. Trotzdem erstaunt es mich, das selbst intelligente und informierte Leute im Gespräch behaupten, sie „wüssten von all dem ja gar nichts“ und dann trotzdem den bundesdeutschen Außenspiegelschoner über die Ohren ihres Toyotas stülpen.

Deswegen will ich trotz der Gefahr von Wiederholungen nochmal einige Zeilen zur Bestandsaufnahme verwenden:

Die FIFA ist die Weltfußballorganisation, deren 209 Nationalverbände jeweils einen Delegierten in den Kongress entsenden um das Exekutivkomitee und das Präsidium zu wählen. Hierbei hat jeder Nationalverband nur eine Stimme, egal ob es sich um den größten Nationalverband DFB oder den von Zwergstaaten wie den Jungferninseln, Malediven oder Osttimor handelt. Was auf den ersten Blick wie ein System zum Schutze von Interessen der kleinen aussieht mutiert seit Beginn von Blatters Machtübernahme 1998 zu einer Machterhaltungs- und Bereicherungssstruktur für den amtierenden Präsidenten. Sepp Blatter (78) versteht es geschickt, die Delegierten zahlreicher kleinerer und meist armer Länder durch allerlei Zuwendungen für sich zu gewinnen.

Hierbei geht es eben nicht nur um Luxusreisen zu Spielen und Konferenzen und einige Handvoll Tickets für den Schwarzhandel. Es geht um massive Interessenkonflikte und Briefumschläge voller harter Dollars. So erhielten die Mitglieder des Exekutivkomitees nach dem eigenen Finanzbericht der FIFA im letzten Jahr 36 Millionen USD allein an Tantieme. Bei 25 Mitgliedern ein auskömmliches Einkommen. So vermag es nicht überraschen, das die Abstimmungen innerhalb der FIFA regelmäßig mit DDR Volkskammer-ähnlichen Mehrheiten durchgehen und Oberschmierfink Blatter immer noch zu Recht behauptet „das alles sei seine Show“. Trotzdem mussten rund 1/3 des Exekutivkomitees wegen des Nachweises der Korruption vor kurzem aus der Show ausgewechselt werden.

Woher hat die FIFA die ganze Kohle? Nun, vor allem haben sie die TV und Marketingrechte an den durch sie veranstalteten internationalen Turnieren. Und dies stets steuerfrei. Denn die FIFA zwingt alle Bewerberländer für eine Fußballweltmeisterschaft, mit der Bewerbung absolute steuerfreiheit für alle Einnahmen zuzusichern. Hierunter fallen dann auch die Zahlungen durch die offiziellen Partner und Sponsoren deren Werbung ihr dann ausschließlich während eines Turniers ins Hirn geladen bekommt. Für die kommende WM 2014 sind dies Konzerne wie Adidas, Coca Cola, KIA, Hyundai, Emirates, Sony und Visa. Die komplette Liste gibt es hier (http://de.fifa.com/worldcup/organisation/partners/).

Natürlich floriert im ganzen Weltverband der Famlilenfilz. Beispiel von höchster Stelle: Der Schweizer Philippe Blatter führt mit der Infront eine der größten Sportvermarktungsagenturen der Welt. Einst als Unternehmensberater bei McKinsey tätig „ist der Neffe von Sepp Blatter in der Sportwelt excellent vernetzt“. So ist die Infront Tochter HBS für die gesamte TV Produktion der WM in Brasilien zuständig.“ ( Handelsblatt vom 04.06.2014).

Ein Rückblick auf SÜDAFRIKA zeigt schon auf wie das läuft: Alleine die WM in Südafrika hatte der FIFA einen steuerfreien Gewinn von mehr als USD 3 Mrd. beschert, während das Land Südafrika auf rund 8 Mrd. Kosten sitzengeblieben ist und zum Ausgleich nun vergammelnde Fußballarenen hat, die aufgrund der Verträge mit der FIFA gebaut werden mussten um ein Regel- und Sponsorengerechten Ablauf zu gewährleisten.

Letztlich kommt der jeweilige Steuerzahler also für diesen Wahnsinn auf. Sicher kann es einige positive Effekte für ein Land geben, wenn es eine WM erfolgreich organisiert, aber alle Ökonomen sind sich einig: Insgesamt ist es ein dramatisches Minusgeschäft, da ja die FIFA auf alle Einnahmen Steuerfreiheit genießt.

BRASILIEN: diesmal haben die brasilianischen Steuerzahler nach Angaben des brasilianischen Rechnungshofes bereits 11 Mrd. in Bauprojekte zur WM investiert, von denen wohl nur 7 von 54 Projekten zur WM fertiggestellt sein werden. Und die Zahl der sogenannten „weißen Elefanten“, also nach internationalen Sportveranstaltungen ungenutzter Stadien steigt weltweit weiter an.
Das berühmte und heilige Maracanã Stadion in Rio wurde mit riesigem Aufwand FIFA -gerecht gestaltet, es gibt eine 2 Kilometer weite Bannmeile um das Stadion, die Blöcke sind mit hohen Zäunen getrennt, die Stehplätze abgeschafft, die Preise hoch und die Spiele seitdem extrem schlecht besucht.

Und das alles bringt die fußballverrückten Brasilianer auf die berühmte Palme. Nicht nur das der für die „Akquise“ der WM 2014 verantwortliche ehemalige Präsident des brasilianischen Fußballverbandes und Mitglied des WM Exekutivkomittes Ricardo Texeira sich aufgrund von Steuerschulden nach Florida abgesetzt hat, wo er gleich zwei fürstliche Residenzen bewohnt. Nicht weil er von hier aus immer noch die Fäden im brasilianischen Fußball zieht. Nicht weil der enge Freund Sepp Blatters die Marketingrechten ans Freundschaftsspielen der brasilianischen Nationalmannschaft an sich selbst verkauft und damit knapp 5 Millionen US Dollar eingestrichen hat. Und auch nicht, weil er die Marketingrechte für die kommende WM gegen Schmiergeldzahlungen in Höhe von 22 Millionen Franken an eine Gesellschaft in der Schweiz verschachert hat. Derartige Korruptionsvergehen bleiben auch noch ungeahndet, weil damals in der Schweiz noch keine Straftat.

Uuppsss…

Nein, die Brasilianer haben die Schnauze voll von Korruption, dramatischen Misständen bei Bildung, Medizin und Versorgung. Sie haben die Schnauze voll von einer Regierung, die ganze Stadtviertel beseitigen lässt um dort eine von 12 Arenen zu errichten und damit mehr als die 8 welche von der FIFA gefordert sind.
Sie werden von der WM mit explodierenden Lebenshaltungskosten getroffen in einer Situation bei der es mit rund € 750-1500 Monatseinkommen ohnehin schon knirscht. So haben alleine in Sao Paolo bereits 4.500 Familien! In der Umgebung der neuen „Arena Corinthians“ ihre Häuser verloren.

Wie sollen sie sich begeistern für ein Turnier, das die in den Arenen der parasitären, alles kontrollierenden Gutsherren ausgetragen wird zu Eintrittspreisen, die sie ohnehin nicht bezahlen können? Und dessen Kosten die Bevölkerung bezahlt.

Es gibt zahlreiche Schichten in Brasilien, die sich dafür erwärmen, der Seleçao einen negativen Turnierverlauf an den Hals zu wünschen, damit die mögliche Begeisterung über sportliche Erfolge den zu erwartenden Widerstand nicht neutralisiert.
Allein die Demonstrationen um den Confederations Cup 2013 bei dem bereits eine Million Menschen in mehr als einhundert Städten protestierten waren, gaben bei der Partie Brasilien gegen Spanien einen Vorgeschmack, wie es ist wenn das Tränengas der Kampf-Robocops von der Straße auf die Sponsorenwerbungsgeschmückte Tribüne und zu den Spielern wabert. Dies hatte schon damals dem einen oder anderen das wohlverdiente Schlückchen Schampus vergällt.

Während der WM wird es der Welt nicht mehr verborgen bleiben. Zwar haben FIFA und Sponsoren massiven Druck auf die brasilianische Regierung ausgeübt, sie möge die Situation in den Griff bekommen. Es war aber unverantwortlich wenn FIFA Generalsekretär „Jérome Valcke“ im vergangenen Jahr sagte, Brasilien brauche einen Tritt in den Hintern.
Denn dieser Druck hat die Lage nur verschlimmert. Die paramilitärische Aufrüstung wurde verstärkt und die ersten Leute sind einfach verschwunden. Ohnehin hat Brasiliens Polizei ein massives Gewaltproblem. Sie ist auch ohne WM verantwortlich für rund 2.000 Tote pro Jahr. Die Ausschreitungen während des Confed Cups führten nach offiziellen Angaben zu mehr als 100 Verletzten in Brasilia und mehr als 40 in Rio, vornehmlich durch die beliebten Gummigeschosse.
Da gibt es das sogenannte Schockbataillion von Rio de Janeiro, ein Spezialkommando gegen Demonstranten. Zahlreiche Favelas, die riesigen Armensiedlungen in den Städten wurden von der Polizei und teilweise Militär praktisch besetzt und eine Spezialeinheit aus Rio wirbt auf einem Logo mit einem Messer und zwei Pistolen die einen Totenkopf zertrennen. Nun häufen sich Berichte, das es zu Säuberungen kommt um ein besseres Straßenbild für die WM zu erreichen und insbesondere Straßenkinder unauffindbar verschwinden (nicht gesichert, zum Thema siehe hier). Aktuell knallt es bereits in Sao Paolo, wo ein U Bahn Streik die Stadt seit Tagen ins Chaos stürzt.

Es wird der Welt nicht mehr verborgen bleiben, was FIFA und Sponsoren in Brasilien anrichten, haben doch die Widerständler angekündigt zumindest ein Spiel ganz zu verhindern. Auch wenn wir hoffen, dass es keine bürgerkriegsartigen Szenen geben wird – realistisch ist dies vermutlich nicht. Denn die extra für die WM geformte „Riot Force“ wird bis zu 10.000 Sicherheitskräfte pro Spiel aufbieten um den Protest zu verhindern.

RUSSLAND und QATAR:
Gleichzeitig zur Diskussion um die WM in Brasilien kommen die Meldungen um verschobene Spiele im Vorfeld der WM in Südafrika durch einen Wettmanipulateur in Südkorea und eine Diskussion der Umstände unter denen es zu einer WM Vergabe an Russland und Katar gekommen ist. Vergabe an die zwei Länder, denen das zuständige Gremium der FIFA die jeweils schlechteste Benotung aller Bewerber zugeteilt hat.
Aber als der von der FIFA bezahlte (sic!) Chefermittler der „Ethikkomission“ Michael Garcia letztes Jahr zu Untersuchungen nach Russland einreisen wollte, da hatten ihm die Russen die Einreise schlichtweg verweigert. Hinsichtlich der Vergabe nach Brasilien ermittelt zwischenzeitlich das FBI und der britische Funktionär Lord David Truthman der für die britische Bewerbung 2018 verantwortlich war schwor im britischen Parlament einen Eid, das ihm Stimmen zum Kauf angeboten wurden.

Erfreulicherweise steht die vollkommen sinnfreie Vergabe des Turniers nach Qatar nunmehr unter einer starken öffentlichen Beobachtung, seit die britische Sunday Times berichtete, ihr lägen zahlreiche Dokumente vor, dass der ehemalige Fifa Spitzenpräsident Mohammed Bin Hamman aus Qatar fünf Millionen Dollar an Bestechungsgeldern an Funktionäre gezahlt haben soll, um sich die Zustimmung zu sichern. Mohammed Bin Hammam ist zwar von der „Ethikkomission“ der FIFA 2012 lebenslang gesperrt worden, jedoch nicht aus ethischen Gründen sondern weil er 2011 versucht hatte Schmierenkönig Blatter als FIFA Chef abzulösen. Laut den der Sunday Times vorliegenden Beweisen sind die 5 Millionen Dollar vornehmlich an Funktionäre in Afrika geflossen. Weiterhin recherchierte die Sunday Times das Bin Hammam auch die Anwaltskosten des ehemaligen FIFA Vizepräsidenten Reynald Temarii ( Tahiti) in Höhe von umgerechnet rund 305.000 € übernommen hätte, mit denen sich dieser gegen den Rauswurf aus dem Exekutivkomittee gewehrt hatte.

Der Hintergrund ist ebenso fatal wie amüsant: Temarii ging im Vorfeld der WM Vergabe 2010 englischen Journalisten auf den Leim, als er sich bei einer Kontaktaufnahme offen zeigte für Bestechung. Daraufhin wurde er vor dem Wahltag suspendiert aber das laufende Verfahren blockierte die Neubesetzung durch den Vertreter Ozeaniens, der als Anhänger der australischen Bewerbung galt.

Nun ist auch noch der deutsche Kaiser Franz Beckenbauer wegen des Verdachts auf Korruption in die Schlagzeilen geraten. Seine Stiftung soll über Umwege vom Qatarischen Staatsfonds profitiert haben.

Aber es mag ja Menschen geben, die sagen: nun ja..der Fußball ist kommerziell und Korruption „kommt vor“…aber die Story ist ja noch nicht zu Ende. Denn wie in Brasilien nahezu alle Menschenrechte mit Füssen getreten werden, so werden die Baumaßnahmen für die Stadien von sogenannten „Expatriats“ vorgenommen. Expats sind Arbeiter, die in Ländern wie Indien, Indonesien, Nepal oder Sri Lanka usw. in armen Dörfern angeworben werden. Nach Ankunft in den arabischen Ländern wird ihnen der Pass abgenommen und sie leben unter menschenunwürdigsten Umständen wie moderne Sklaven. Recherchen des britischen Guardian ergaben das in 2013 alleine während dem 04.06. und dem 08.08. alleine 44 nepalesische Arbeiter auf WM Baustellen wegen Herzversagen oder Arbeitsunfällen gestorben sind. Der internationale Gewerkschaftsbund rechnet mit bis zu 4.000 Toten Gastarbeitern bis zum Anpfiff des ersten Spieles. Zwangsarbeit bei 50 Grad Celsius, unzureichende Versorgung mit Trinkwasser und Nahrung und desaströse Hygieneverhältnisse in den überfüllten Unterkünften kennzeichnen die Situation.

Die unten verlinkte und insgesamt sehr sehenswerte Filmreportage des ZDF zu den Machenschaften des Verbrechersyndikats FIFA zeigt unter Anderem sehr anschauliche Bilder, bei denen es einem schlecht wird. Der nordirische Funktionär und FIFA Vizepräsident Jim Boyce hat nun eine Überprüfung und mögliche Neuvergabe 2022 gefordert. Auch Blatter hat nun erneut Veränderungen angekündigt und einen lächerlichen Reformprozess durchgeführt, in dem nichts umgesetzt wurde was annähernd modernen Maßtäben an Compliance entspricht. Alles was von da kommt, ist als reine Wahlkampftaktik für die Neuwahlen des Präsidenten in 2015 zu bewerten.

UEFA Präsident Platini hat stellvertretend für die europäischen Verbände ebenfalls eine Reform gefordert und will Blatters Wiederwahl verhindern. Selbstlos wie er ist, in dem er selbst kandidiert. Mit Verlaub, ich will hier keine unpassenden historischen Vergleiche hinhängen – doch seht es mir nach, aber das erinnert mich strukturell jedenfalls an die Attentäter vom 20.07.1944 denen es nicht um die Bekämpfung des NS Staates ging sondern lediglich um eine andere Militärsstrategie. Die europäischen Verbände sind nämlich in einem Dilemma. Zwar hatte der englische Fußballverband 2013 auch von Boykott schwadroniert, aber soetwas ist genauso illusorisch wie eine Reform des Verbrechersyndikates FIFA durch Sepp Blatter. Denn die FIFA schüttet von dem geklauten Geld 260 Millionen Euro an die 32 nationalen WM Teilnehmerverbände aus. Zusätzlich 50 Millionen Euronen an die abstellenden Clubs sowie 75 Millionen Euro für die Versicherung der Akteuere.

Und was fordern DFB und DFL von der FIFA? Mehr Ethik? Quatsch mit Soße!
Mehr Geld, was sonst!

So verlangte DFL Präsi Reinhardt Rauball in der Sportbild eine höhere Beteiligung der europäischen Verbände an den Einnahmen des Turniers, schließlich bilden die Spieler aus den europäischen Clubs die Grundlage für „großartige WM Turniere“…und DFB General Helmut Sandrock bläst in das gleiche Horn und weist ebenfalls auf die einnahmensteigernde Wirkung durch die 13 europäischen Verbände hin.

Ergo kann „Lame Duck“ Theo Zwanziger (Zitat von Ethikpapst Uli Hoeness) soviel herumjaulen wie er will wegen Qatar, ändern wird und will er nichts da sein dasein sich ebenfalls aus dem Füllhorn finanziert. Zwanziger ist der DFB Abgesandte in der FIFA Ethik Kommission. Müssen wir nun mit diesen Zuständen leben? Ist es vollkommen sinnlos sich darüber aufzuregen. Kann „man“ ohnehin nichts machen? Mitnichten.

YES I CAN, YOU CAN AND WE CAN!!!

Und wir müssen es auch, nicht nur aus ethischer Überzeugung, dass wir ein eigentlich großartiges Turnier unter diesen Bedingungen nicht mehr sehen wollen? Denn eines ist doch klar, wo derartige Unsummen an TV und Sponsorengeldern unkontrolliert verteilt werden, bringt das bei den Beteiligten Personen regelmäßig die schlechtesten Eigenschaften des Menschen zum Vorschein. Und wie will man einem Schiedsrichter oder Spieler verdenken, dass er auch nochmals hinlangt, wenn ihm die Führungsspitze des Fußballs das so vorlebt.

Die Spitze des Fußballs ist krank. Infiziert von Großmannsucht, Gier und Korruption. Von der FIFA bis zum Großmeister der Ethik in Deutschland Uli Hoeness, der zwar einst zu Blatters möglicher Wiederwahl sagte :
„Gott bewahre“ – aber derzeit möglicherweise für Vergehen im Knast sitzt, die von den hier diskutierten nicht so weit entfernt sind.

Wenn wir diese Leute weitermachen lassen, wird sich die Infektion auch weiter in den nationalen Ligen und in die niedrigeren Klassen ausbreiten. Aber welche Möglichkeiten hat ein Fan, der ja ohnehin nur noch als Konsument betrachtet wird, etwas zu verändern.

Die erfolgreichen Boykottaktionen 12:12 ( Stimmung ), zu Beginn der letzten Saison beim FC Bayern gegen die Drehkreuze oder andere auch international beweisen, dass die Zerstörung der Stimmung in den Stadien das Produkt zerstört. Zwar gibt es auch reichlich synthetische Mittel, Stimmung zuzumischen oder Proteste auszublenden aber es wirkt.

- Natürlich ist der Komplettboykott eine radikale Maßnahme. Ich persönlich habe zahlreiche Einladungen zu WM Feiern abgesagt und das Schwarz Rot Goldene Fankit von der Tankstelle für die ahnungslosen Jubelperser mit Gartenzwerg im Kopf ist ohnehin ein NoGo!

- Public Viewings in der Sommerhitze der Großtädte eingepfercht in einen Käfig aus Sponsorenwerbung sind ebenfalls unterste Schublade. Je weniger Leute dort aufkreuzen umso langweiliger wird es und die Medien werden dann schon berichten.

Ich denke bei allen Zweifeln auch, es ist trotzdem legitim für die fußballsüchtigen, mal einen Blick durchs Schlüsselloch zu werfen und ein Spiel auf der heimatlichen Couch zu verfolgen, aber letztlich treibt dies eben nur die Sponsorenträchtige Quote nach oben.

Denn die Hebel für insbesondere für Russland und Qatar sind woanders. Aber die müsst Ihr bedienen, wenn ihr keinen Komplettboykott durchziehen wollt oder könnt:
Die Marketingprofis von Coca Cola; Adidas, Sony und Visa haben den Braten bereits gerochen und ebenfalls eine Überprüfung und eventuelle Neuvergabe gefordert. Für Russland wird es aus organisatorischen Gründen vielleicht zu spät sein. Aber Qatar muss weg. Und dies beginnt heute mit der Lektüre dieser Zeilen.

Boykottiert ab sofort ALLE Sponsorenprodukte und schreibt es ihnen per Brief oder E-Mail. Boykottiert sie dauerhaft. Es gibt alternative Produkte wie zB die fritz-kola in Hamburg. Kündigt Eure Visa mit Begründung. Am nächsten Wochenende werde ich gerne einen allgemeinen Mustertext zur Verfügung stellen.

Vielleicht sollten wir eine Onlinepetition initiieren. Ich werde das mal prüfen.

Schickt eure Meinung an die Verbände, die Spieler, die Vereine! Aber tut es und quakt nicht am nächsten Stammtisch darüber herum.

Denn wenn in der breiten Öffentlichkeit klar wird, was für eine widerliche Veranstaltung so eine WM wegen der FIFA geworden ist, kehrt sich die Werbewirkung schnell ins Gegenteil um. Und das ist der einzige eiskalte Griff den der kritische Konsument an die Eier der FIFA legen kann. An den Geldbeutel.

Denn mit den Grundsätzen und Complianceanforderungen moderner Unternehmensführung hat dieser Fußball nichts mehr zu tun.

Schon gar nichts mit Anstand und Moral!

Für Brasilien ist es zu spät. Russland müssen wir abwarten, wie es sich entwickelt.

Aber 2022 ist noch zu retten. Und hoffentlich auch möglichst viele Arbeitssklaven die ansonsten in Qatar auf einer Stadionbaustelle ums Leben kommen.

YES WE CAN!
Hamburg, 11.06.2014, Kai Jordan

Quellensammlung:

Sehr lohnenswert:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2125350/ZDFzoom-Das-Fussball-Imperium?ipad=true
http://indexexpurgatorius.wordpress.com/2014/06/04/der-preis-der-fusball-wm/

Weitere Quellen:
Zwanziger kritisiert die FIFA
Zustände in Brasilien
Der Preis der WM
DFB fordert mehr WM Geld von der FIFA
Wie die FIFA mit ihren Skandalen umgeht
Geheimer FIFA Bericht enthuellt manipulierte Spiele
Die WM ein weißes UFO
Boykott Aufrufe
Freiburger Fanblock
Brasilien im Sog der Gewaltseite
Sueddeutsche.de, Patriotismus ist Nationalismus
Willmanns Kolumne aus Sao Paulo
Polizeigewalt in Brasilien


14 Antworten auf „Sommer! Sonne! Weltmeisterschaft?“


  1. 1 Lille 12. Juni 2014 um 14:55 Uhr

    Sehr spannender und interessanter Artikel! Weiter so, Jungs :)

  2. 2 fcmGerrard 12. Juni 2014 um 23:58 Uhr

    Sehr schöner Text, gute offen legende Analyse. Bei einer Petition wäre ich dabei!! Es muss was geändert werden!!

  3. 3 Sigrid Hagel 13. Juni 2014 um 2:03 Uhr

    Erst mal Danke für diesen ausführlichen Bericht, von dem ich, wenn es mir hoch kommt, vielleicht nur ein drittel verstanden habe.
    Fakt ist, dass ich es selber bedauere, erst in diesem Jahr 2014 eine Fußball-WM als reinstes Brechmittel empfinden zu müssen.
    Das viele Geld, welches sich einige Leute dabei unter den Nagel reißen können, interessiert mich an genauen Zahlen herzlich wenig. – Vielmehr sind es die vielen Menschen, die während der Vorbereitung auf solch eine WM obdachlos wurden, von der Bildfläche verschwanden, sich zu Tode schufteten (s.SklavenWirtschaft), verjagt, vertrieben oder getötet wurden…
    …und all dies in einem Land, welches nach der WM weder etwas mit dem Stadion oder der Infrastruktur (die dafür erforderlich war) anfangen kann..?!..all das und vieles andere mehr, macht mir deutlich klar, wie dringend es erforderlich ist, unserer Menschheit zu helfen, bevor noch mehr Übelerregendes ans Tageslicht kommt…
    Es wurde hier ein schöner Vorschlag gebracht, wie man sich an einem Boykott beteiligen kann, Zitat:
    „Boykottiert ab sofort ALLE Sponsorenprodukte und schreibt es ihnen per Brief oder E-Mail. Boykottiert sie dauerhaft. Es gibt alternative Produkte wie zB die fritz-kola in Hamburg. Kündigt Eure Visa mit Begründung. Am nächsten Wochenende werde ich gerne einen allgemeinen Mustertext zur Verfügung stellen.“
    Sorry, wenn ich da jetzt schmunzeln muss, denn:
    1. wird sich kaum jemand diesen langen Text freiwillig durchlesen wollen.
    2. möchte ich selber gern meine VISA-Karte behalten dürfen.
    3. wer garantiert es mir, dass ich nicht die Einzigste bin, die bloß wegen dieser WM auf alles Mögliche verzichten würde???
    …usw. usw. usw. …
    Das ganze verkorkste System muss ein anderes werden..!..daran müssen wir arbeiten und uns Gedanken darüber machen, wie wir das ohne Blutvergießen auf die Reihe bekommen.
    Am Dienstag, den 17.06.2014 stehe ich dafür wieder in Erfurt auf der Straße bzw. auf dem Anger vorm Lutherdenkmal..!..und werde weiterhin die Erfurter „Initiative Mensch für Mensch“ unterstützen. – Wer Zeit und Lust hat, kann sich gern sein eigenes Bild über die Leute machen, die dort vor Ort sind und uns nach bestem Wissen und Gewissen dabei unterstützen, unseren Traum vom globalen Frieden zu realisieren.

    LG Siggi

  4. 4 nadine 13. Juni 2014 um 7:43 Uhr

    Großartig zusammengefasst! (auch wenn es ein wenig lang geworden ist ;) )Ich boykottiere auf jeden FALL!

  5. 5 Patrick 13. Juni 2014 um 8:48 Uhr

    Interessant zusammengefasst, aber meines Erachtens am Ende ein wenig zu fordernd (Machst Du dort tatsächlich Werbung für ein Konkurrenzprodukt eines WM-Sponsors…?).

    P.S.: Das Attentat war am 20.07.1944 und der Vergleich hinkt tatsächlich.

  6. 6 heiko seifert 13. Juni 2014 um 10:31 Uhr

    Das mit den gehäuften Berichten über Strassenkinder, die einfach so verschwinden und ggf von Todesschwadronen ermordet wurden, damit die Strassen sauber sind, steht soweit ich sehe genau in einem Blog (alle anderen Seiten beziehen sich darauf). Dessen Journalist dieses auch ganz klar als Frage stellt. Seither schreiben alle Seiten das allerdings als Tatsache. Bitte noch einmal ganz genau recherchieren und (wenn es sich nur auf diesen dänischen Journalisten bezieht), dann bitte den Part im Artikel deutlich als „nicht gesichert“ kennzeichnen und vielleicht gleich andere Aussagen mit an der Stelle aufführen:

    http://www.mimikama.at/allgemein/fuball-wm-2014-suberungsaktion-in-brasilien-zur-wm-2014-gettet-fr-knig-fuball/

    Ja, jeder Tote ist ein Toter zu viel, und Ja, die ganze WM ist eine Farce, aber es ist schon was anderes, als wenn ein Drogenkrieg in den Favelas tote hervorbringt oder die WM gesäubert wird… zweites mag ich mir noch weniger vorstellen

  7. 7 popel-jonny 13. Juni 2014 um 11:33 Uhr

    So so, hab das ganze zwar nicht gelesen, ich weiss aber schon
    monate was in brazil so abgeht.
    Und mal ehrlich, grade jetzt zum start bloggt ihr sowas,
    Da gehts euch ja scheinbar nicht wirklich um das wohl
    der brasilianer, sonder eher um klick-zahlen.
    das ist fast noch schlimmer, mit dem leid anderer
    Aufmerksamkeit (geld) zu erhaschen.

  8. 8 popel-jonny 13. Juni 2014 um 11:36 Uhr

    Siggi macht wenigstens aktiv etwas! Dickes lob!!
    Und Nadine, was willst du denn Boykottieren?
    ohh du schaltes kein zdf ein?
    Damit wirst du nix verändern, ausser sein eigenes
    Gewissen….

  9. 9 Vijoloco 13. Juni 2014 um 11:42 Uhr

    „Ich denke bei allen Zweifeln auch, es ist trotzdem legitim für die fußballsüchtigen, mal einen Blick durchs Schlüsselloch zu werfen und ein Spiel auf der heimatlichen Couch zu verfolgen, aber letztlich treibt dies eben nur die Sponsorenträchtige Quote nach oben.“

    Ist das nicht Quatsch? Wird die so viel beachtete und überbewertete Quote nicht aus ca. 6000 Sehern in Deutschland berechnet, die von von der GfK eine Box Zuhause stehen haben?
    (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/mein-leben-als-gfk-testhaushalt-liebling-ich-habe-die-quote-geschrumpft-12822308.html) Müsste man dann nicht nur dafür sorgen, daß diese paar 1000 Leuts in der Kneipe ihre WM-Spiele gucken? Ich bin mir sicher, die einzige Chance etwas zu ändern, ist die Quote zu senken. Dann können die Fernsehsender die Unsummen, die sie von unseren Gebühren zahlen, nicht mehr legitimieren, und somit wird der FIFA der Geldhahn zugedreht. Erst in einem Land, dann in vielen anderen. Das könnte eine Bewegung werden! Und wie gesagt: es müssen gar nicht Alle alles boykottieren, sondern nur die paar Quoten-Hänsele müssen überzeugt werden. Das wär doch mal ’ne Aktion: Bestechungsgeld sammeln damit die paar Entscheider ihre Glotze aus lassen. Eine sinnvollere Crowdfunding-Nummer habe ich lange nicht mehr gesehen. Vielleicht würde sich dann alles wieder etwas normalisieren und relativieren und die Summen im Fußball insgesamt sinken. Und unsere monatliche Fernsehgebühr könnte auch wieder sinken, da die Senderechte für diesen Sport wieder billiger zu haben sind.
    Wer macht mit?

  10. 10 Vijoloco 13. Juni 2014 um 11:56 Uhr
  11. 11 Piet 13. Juni 2014 um 14:43 Uhr

    was für eine kranke Welt! vielen Dank für die Mühe dieser Zeilen…

  12. 12 sonja 13. Juni 2014 um 19:28 Uhr

    Danke kai. Guter text!

  13. 13 werner 14. Juni 2014 um 17:58 Uhr

    ich nutze eh keine dieser produkte schaue kein Fußball und kaufe keine fanartikel

  14. 14 Administrator 16. Juni 2014 um 9:41 Uhr

    @ Patrick: das Datum des Attentats wurde verbessert, danke!

    @ Heiko Seifert: der nicht gesicherte Part bezüglich der Straßensäuberungen wurde ebenfalls gekennzeichnet. Dankeschön für den Hinweis.

    @ Popel-Jonny: Unser Ziel war es weder Aufmerksamkeit oder gar Geld (wir machen weder Werbung noch bekommen Geld für Blogeinträge) zu erhaschen. Unser Ziel war und ist es, dass den Lesern dieses Gastblogbeitrages die Augen geöffnet werden.
    Wir konnten in unserem Bekanntenkreis feststellen, dass wenige über die Missstände informiert waren bzw. sind. Unter diesen Umständen finden wir einen Beitrag zum Beginn der WM passend.

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